Jour fixe im Februar

Mi, 8. Februar, 18:15 Uhr
Im Moore 21, Raum A210

David Becker (Berlin):
Gibt es eine Flüchtlingskrise und falls ja, wer hat sie?

Wenn die massive Präsenz von Flüchtlingen in Deutschland einerseits so viel Solidarität und andererseits so viel Hass erzeugt, muss man sich fragen, ob die sogenannte „Flüchtlingskrise“ nicht viel mehr eine deutsche Selbstkrise ist, welche Ängste und Verunsicherungen hier im Mittelpunkt stehen und ob die Reaktionen der Politik die Konfliktlage nicht eher verschärft, anstatt sie zu transformieren. Der Vortrag diskutiert Heimliches und Unheimliches (Freud) und versucht die Notwendigkeit einer positiv verstandenen Konfliktkultur aufzuzeigen, in der echte Begegnungen möglich werden.

Prof. Dr. David Becker lehrt Psychologie an der Sigmund Freud Privatuniversität in Berlin. Er leitet dort den Studiengang Psychologie und den Masterstudiengang Cultural Relations and Migration. Er berät psychosoziale Projekte im In- und Ausland (gegenwärtig vor allem im Nahen Osten).

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Sex & Crime

Sozialpsychologisches Symposium zur Verflechtung von Gewalt, Volk und Sexualität

Am 04. Februar 2017 legt Prof. Dr. Rolf Pohl seine reguläre Tätigkeit am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover nieder.
Um seine Person und sein Schaffen zu würdigen, laden wir Sie zu dieser besonderen Veranstaltung ein. Unter dem Titel »Sex & Crime – Ein sozialpsychologisches Symposium zur Verflechtung von Gewalt, Volk und Sexualität« widmen wir uns den Forschungsschwerpunkten Rolf Pohls und freuen uns mit ihm und Ihnen seine Arbeit zu feiern und zu diskutieren.

04.02.2017, ab 10 Uhr, Kali-Chemie-Hörsaal, Callinstraße, Hannover

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Jour Fixe im Dezember

Mi., 14.12.2016, 18:15 Uhr
Im Moore 21, Raum A210

David Jäger:
Die Dialektik der Deprivation.

Entbehrung als zentrale Konstituente der Genese des Autoritären Charakter

Der Hass auf vermeintlich undankbare Flüchtlinge, deren Besitz von modernen Smartphones Empörung und Neid auslöst, kann als Ausdrucksform einer auf Deprivation gegründeten Subjektgenese interpretiert werden, die stark mit der bürgerlichen Kultur verknüpft ist. Seit Homers Odyssee über die Vertreibung aus dem Paradies (Genesis) bis heute sind ästhetische Einflusssphären bürgerlichen Denkens in kulturellen Zeugnissen, als eine „ahnungsvolle Allegorie der Dialektik der Aufklärung“ (Adorno/Horkheimer), auszumachen. Dabei kann der Begriff der Entsagung als ein Schlüsselbegriff zum Verständnis der westlichen Zivilisation und deren Umschlag in die Barbarei genutzt werden.
Vor diesem Hintergrund behandelt der Vortrag den Zusammenhang zwischen Entsagung, Entbehrung und autoritären Charakterdispositionen. Dabei soll vor allem der Frage nach der Bedeutung des Begriffs der Entsagung für eine kritische Theorie der westlichen Zivilisation, der Ausbildung des bürgerlichen Bewusstseins und des Autoritären Charakters nachgegangen werden.

David Jäger studierte Politikwissenschaft, Soziologie, Philosophie, Erziehungswissenschaften und Germanistik in Würzburg und Psychologie in Erlangen. Er ist Auszubildender zum KJP/PP-Psychotherapeut und promoviert zum Thema „Die Dialektik der Deprivation – Repräsentationen des Autoritarismus in der Literatur des Bürgertums im Lichte der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule“ an den Universitäten Groningen und Hannover.

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Jour Fixe im November

Do., 10.11.2016, 18:15
Im Moore 21, Raum A210

Marc Schwietring (Berlin):
Die AfD als Partei neuen Typs?
Rechtspopulistisch – „neurechts“ – rechtskonservativ?

Die Alternative für Deutschland (AfD) mischt die politische Kultur in Deutschland aktuell gehörig auf. Ist die AfD eine Partei gänzlich neuen Typs und neuer Positionen? Ist sie rechtspopulistisch, rechtsextrem, „neurechts“ oder gar, wie einige vermehrt meinen, einfach nur eine demokratische Alternative für (Rechts)Konservative, die sich in der „links gewordenen Bundesrepublik“ nicht mehr repräsentiert fühlen? Warum findet sie aktuell so breiten Anklang?

Marc Schwietring ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Georg August Universität Göttingen und Mitbegründer der AG PolPsy.

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Jour fixe im Oktober

Mittwoch, 12. Oktober, 18 Uhr
Im Moore 21, Raum A210

Tobias Neuburger (Celle):
Kritik des Antiziganismus.
Zugänge und Ansätze

Ende der 1980er fand der Begriff Antiziganismus Eingang in die deutschsprachige Wissenschaft zur Bezeichnung der jahrhundertealten Feindschaft gegenüber Sinti, Roma und anderer als „Zigeuner“ stigmatisierter Gruppen und Individuen. Auch wenn es in dieser recht kurzen Zeit bis heute zu keiner systematischen Theorieproduktion kam, wurden dennoch eine Reihe gesellschaftstheoretisch, sozialpsychologisch und psychoanalytisch informierter Ansätze zur Erklärung und Deutung des Antiziganismus angeboten. Der Vortrag zeichnet ein Panorama dieser unterschiedlichen Ansätze und diskutiert deren Vor- und Nachteile.

Tobias Neuburger ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Modellprojekt „Kompetent gegen Antiziganismus/Antiromaismus (KogA) – in Geschichte und Gegenwart“ der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten.

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