Jour Fixe im Februar
Mi,18.01.2012, 18 Uhr c.t.
Im Moore 21, Vorderhaus, Raum A210
Melanie Babenhauserheide
(Fakultät für Erziehungswissenschaft, Universität Bielefeld)
Dudleys Luftgewehr und Harrys „Nimbus 2000“
Ideologiekritische Überlegungen zur zauberhaften Warenwelt in Rowlings Harry Potter-Reihe
„Die Empfindung, daß die eigenen Neigungen nicht voll erwidert werden, macht sich […] in der aus frühen Kinderjahren oft bewußt erinnerten Idee Luft, man sei ein Stiefkind oder ein angenommenes Kind.“ (Freud)
Bis Harry Potter erfährt, dass seine Eltern berühmte und begabte Magier waren und er selber eigentlich in dieser zauberhaften Parallelwelt zuhau-se ist, lebt er als Findelkind bei seiner Tante Petunia, seinem Onkel Ver-non und seinem Cousin Dudley Dursley. Dudley ist eine Figur, deren Ab-kunft vom Neid in jeder Zeile über den verfressenen Rabauken zu lesen ist. Sein Umgang mit seinen Besitztümern, die er nicht zu schätzen weiß, meistens entweder zerstört oder tauscht, reflektiert eine gesellschaftliche Realität: den Verfall des Gebrauchswerts.
Doch was die Kritische Theorie als gesamtgesellschaftliche Tendenz a-nalysiert, wird in der Harry Potter-Reihe personalisiert: Es ist eine Cha-rakterschwäche der Dursleys. Der bescheidene Harry, der die Dinge noch zu schätzen und zu nutzen weiß, ist allerdings nur scheinbar ein Gegenbild; vielmehr legitimiert er diese Verhältnisse über den Neid. In der für einen kurzen Augenblick nach blanker Wunscherfüllung duften-den Zauberwelt gibt es weiterhin unhinterfragt Geld, Waren, Armut. Die Sehnsucht nach einer besseren Welt und dem Ausbrechen aus dem spießigen Kleinbürgertum, die (kindlichen) Wünsche nach Befreiung aus der familiären Ohnmacht und die Phantasie, dass die Dinge einen ande-ren Sinn haben könnten als ihre instrumentelle Bestimmung ihnen zu-kommen lässt, werden weitgehend überführt in eine Verabsolutierung der Warenform.
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Was symbolisieren Minarette in Deutschland? Das Sichtbarwerden des “Anderen” im urbanen Zusammenhang europäischer Stadtgesellschaften
Vortrag von Guido Follert und Mihri Oezdogan im Rahmen des Forschungskolloquiums “Stadt-gestalten. Soziale Praktiken und Konstruktionen des Urbanen”
Mo, 23.01., 18 Uhr
Raum B 108, Historisches Seminar, Im Moore 21, Hinterhaus
Mit den Mitteln der Lorenzerschen psychoanalytischen Symboltheorie und der Ideologiekritik möchten wir beleuchten, was die sozialpsychologische Dynamik der ubiquitären Konflikte um Moscheeneubauten hierzulande ausmacht. Als deutlichstes Symbol der Präsenz und Sichtbarkeit der Vielfalt in der Migrationsgesellschaft werden von den Stadteinwohnern unserer Gegenwart Moscheen mit Minaretten erfahren. Mit Lorenzer kann man annehmen, dass das durch den Bau von Moscheen veränderte Gesicht unserer Städte für die Bildung von “affektiv-verwurzelter städtischer Gemeinsamkeit” von grosser Relevanz ist bzw. sein könnte. Dennoch wird bei jedem Bauvorhaben leidenschaftlich über die Höhe des Minaretts gestritten. Es lässt sich fragen, ob das, was hier interveniert, Rangordnungskämpfe in einer rassifizierten Gesellschaft sind, die ideologisch nicht unerheblich von Muslimenfeindschaft durchzogen ist.
Plakat zum Kolloquium
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Jour Fixe im Januar
Mi,18.01.2012, 18 Uhr c.t.
Im Moore 21, Vorderhaus, Raum A210
Wie weiter nach dem BA?
Master-Studiengänge mit kritisch-sozialwissenschaftlicher Ausrichtung
Mit Anna Gies (Soziologie, FfM), Jan Harig (Gender Studies, HU Berlin), Insa Kleimann (Gender Studies, Göttingen), Till Machnik (Politische Theorie, FfM; angefragt) und Marc Schwietring (Psychologie, IPU Berlin)
Kritisch ausgerichtete und insbesondere subjektorientierte Theorien und Ansätze haben es gegenwärtig schwer an den deutschen Hochschulen. Die Abwicklung der hannoverschen Sozialpsychologie und der Gender Studies ist dafür nur ein Beispiel. Während es vor der Umstellung auf die BA/MA-Struktur möglich war, ein sozialwissenschaftliches, „kritisches“ und teilweise interdisziplinäres „Komplettstudium“ in Hannover zu absolvieren, müssen nun die meisten BA-SoWi-Studierenden in anderen Städten nach Anschlussmöglichkeiten für ihre Studieninhalte suchen.
Da es nicht leicht ist, sich in der Vielfalt der bundesweiten, aber auch internationalen Master-Angebote zu orientieren, wollen wir in diesem Jour fixe einige MA-Studiengänge aus dem deutschsprachigen Raum vorstellen, aber auch sonstige Perspektiven diskutieren. Einige „Ex-HannoveranerInnen“ werden dabei aus eigener Erfahrung berichten und für Fragen zur Verfügung stehen. Dabei geht es zum einen um eine Vorstellung von Studiengängen, ihren Besonderheiten, Inhalten und Strukturen und zugleich um die Frage, wo in welchem Maße bzw. ob überhaupt an einem Ort an kritische Studienschwerpunkte der hannoverschen Sozialwissenschaften, speziell der Sozialpsychologie angeschlossen werden kann.
Der Jour Fixe soll BA-Studierenden Perspektiven vermitteln für eine Fortfüh-rung der bisher bewusst eingeschlagenen Studienwege. Darüber hinaus soll er dazu dienen, das wissenschaftliche „Feld“ danach zu überprüfen, wie es überhaupt um die Möglichkeit eines kritischen sozialwissenschaftlichen Studiums gestellt ist und welche „kleinen Inseln“ es gibt, auf denen gegenwärtig als überholt abgetane Theoriestränge (wieder) aufgenommen, reflektiert, weiterentwickelt werden.
Plakat zum Jour fixe
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Buchvorstellung in Bremen
Mittwoch, 11. Januar 2012, 20 Uhr
Infoladen / St. Pauli-Str. 10-12 / 28203 Bremen
Volksgemeinschaft, Täterschaft, Antisemitismus.
Beiträge zur psychoanalytischen Sozialpsychologie des Nationalsozialismus und seiner Nachwirkungen
Buchvorstellung und Diskussion mit Isabelle Hannemann, Prof. Rolf Pohl und Sebastian Winter
Was machte die Idee der Volksgemeinschaft und den Antisemitismus für die Menschen im Nationalsozialismus so attraktiv? Wie wurden sie zu Tätern und Täterinnen? Wie wirken sich NS-Gefühlserbschaften noch in den nachfolgenden Generationen aus? Der Nationalsozialismus und seine gesellschaftlichen Nachwirkungen sind ohne eine sozialpsychologische Perspektive nicht zu verstehen. Dies erfordert die Berücksichtigung der subjektiven Dimension der Nachkriegsgesellschaft sowie der Brüche und Kontinuitäten nach 1945.
Der Band versammelt Aufsätze, die sich aus einer psychoanalytisch-sozialpsychologischen und geschlechtertheoretischen Perspektive sowohl mit den psychodynamischen Mechanismen der nationalsozialistischen Weltanschauung und Gewalt als auch mit den Versuchen ihrer psychischen Verarbeitung in der Nachkriegszeit auseinandersetzen.
Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Initiative - Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.
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Tagung “Kindheit im Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg – Trauma im Alter”
24. März 2012
Evangelische Stadtakademie,
Römerberg 9, Frankfurt am Main
Die Problematik der deutschen „Kriegskinder“ des 2. Weltkriegs ist seit einigen Jahren in Forschung und Öffentlichkeit präsent. Die meisten Studien und Veranstaltungen konzentrieren sich hierbei vor allem auf Erlebnisse wie Vaterlosigkeit, Bombenangriffe sowie Flucht und Vertreibung und derenSpätfolgen, unter denen viele der zwischen 1930 und 1945 geborenen Personen leiden. Die Aufmerksamkeit, die dieses Thema im gesellschaftlichen Diskurs erfährt, wird kontrovers diskutiert: Auf der einen Seite wird die Notwendigkeit hervorgehoben, den leidvollen Erfahrungen dieser Kinder einen Raum zu geben; auf der anderen Seite wird die Betonung des Leidens auf deutscher Seite als Ausdruck von Schuldabwehr und Aufrechnung kritisiert. Diese politische Kontroverse verdeckt jedoch vielfach den Blick auf die spezifischen Sozialisationsbedingungen während des Nationalsozialismus. Die NS-Erziehung sowie die unbewusste Weitergabe unverarbeiteter Konflikte und Wertvorstellungen der Eltern haben vielfältige Spuren in den Lebensgeschichten und Erfahrungen dieser Generation hinterlassen. Die Prägungen dieser Generation und deren spezifische Traumatisierung können nur hinreichend verstanden werden, wenn die Bedrohung durch die Kriegsereignisse zusammen gedacht wird mit den Erfahrungen, welche die Kriegskinder mit ihren Eltern und anderen Bezugspersonen gemacht haben. Das Ziel der Veranstaltung besteht darin, diese Verbindung herzustellen, die im Kriegskinder-Diskurs gewöhnlich ausgeblendet wird, und die Kindheitserlebnisse aus dem Krieg entsprechend zu kontextualisieren. Die Veranstaltung wendet sich an ein interdisziplinäres Fachpublikum sowie eine interessierte Öffentlichkeit.
Mit Vorträgen von Jan Lohl, Ilka Quindeau und Peter Schulz-Hageleit.
Link zum Flyer der Tagung
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Tagung “Das psychohistorische Erbe der Nazizeit – und seine Spuren in der Gegenwart”
20. – 22. Januar 2012
Evangelische Akademie Hofgeismar
Gesundbrunnen 8 – 11, 34369 Hofgeismar
Die sozialgeschichtlichen Folgewirkungen des Nationalsozialismus auf der Täterseite gehören zu den am besten gehüteten Geheimnissen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Neuere Forschungen zeigen, dass die unbewusste Weitergabe unverarbeiteter Konflikte der Tätergeneration (NS-Gefühlserbschaften) ein Erklärungsfaktor für die Attraktivität rechtsextremer Orientierungsangebote darstellen kann. Dabei sind nationalistische und antisemitische Handlungsmuster nur eins von zahlreichen Phänomenen, die sich aus der Wirkung der von den Eltern und Großeltern übernommenen Gefühlserbschaft erklären lassen.
Die Tagung setzt die erinnerungspolitische Debatte um einen heilsamen Umgang mit unserer NS-Vergangenheit fort.
Mit Vorträgen und Workshops von Ute Althaus, Hannes Heer, Elke Horn, Jan Lohl und Angela Moré.
Programm der Tagung
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