Tagungstour: Lust an der Spekulation. Zum 100. Jahrestag von Freuds metapsychologischen Schriften

25.09.2015

„Wir haben oftmals die Forderung vertreten gehört, daß eine Wissenschaft über klaren und scharf definierten Grundbegriffen aufgebaut sein soll. In Wirklichkeit beginnt keine Wissenschaft mit solchen Definitionen, auch die exaktesten nicht.“  (Freud 1915)
 
100 Jahre nach dem Erscheinen der wichtigsten Freudschen metapsychogischen Schriften sind diese nach wie vor Gegenstand hitziger Debatten. In ihnen formuliert Freud, dass es sich schlicht nicht vermeiden lasse, „gewisse abstrakte Ideen“, die nicht aus der unmittelbaren Erfahrung stammen, zu nutzen, um psychische Erscheinungen und Zusammenhänge wirklich begreifen zu können. Diese Einsicht erhebt er zum erkenntnistheoretischen Prinzip seiner spekulativen psychologischen Metatheorie. Freud selbst bezeichnete diese Metatheorie als die „Hexe Metapsychologie“ und ruft damit ein durch Magie, Uneindeutigkeit und nicht zuletzt durch Weiblichkeit geprägtes gewaltiges Bild auf.

2015 jährt sich der Erscheinungstermin zentraler metapsychologischer Schriften zum einhundertsten Mal, was die AG Politische Psychologie zum Anlass nimmt, den Erkenntnisfiguren und Themen der Metapsychologie im Rahmen einer Tagungstour durch verschiedene Städte nachzugehen. Auf diesen sollen drei  dieser Schriften – „Triebe und Triebschicksale“ (1915), „Das Unbewußte“ (1915) und „Trauer und Melancholie“ (1917) – jeweils in zwei Richtungen diskutiert werden. In einem ersten Vortrag werden diese Texte hinsichtlich ihrer metapsychologische Konzeptionalisierung selbst diskutiert; in einem zweiten Vortrag zum selben Text geht es um die Nutzbarmachung dieser Konzepte für eine psychoanalytische Sozialpsychologie.

Tourstart: Dienstag, 6. Oktober, Goethe Universität in Frankfurt.
In Kooperation mit dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung sowie dem AStA der Universität Frankfurt.
Flyer zur Tagung in Frankfurt

Programm des Tages:
10:00 – 10:15 Begrüßungen
10:15 – 11:15 Keynote:
Prof. Dr. Barbara Rendtorff (Universität Paderborn): Wo ist der Ort der Geschlechterdifferenz?

11:30 – 13:00 1. Block: Triebe und Triebschicksale
Dr. des. Julia König (Goethe-Universität Frankfurt): Zwischen Soma und Seele: der Trieb. Zur Aktualität der Freudschen Triebtheorie
Prof. Dr. Rolf Pohl (Leibniz Universität Hannover): Der Hass auf die Differenz. Triebtheoretische Grundlagen von Fremdenfeindlichkeit und AusländerInnenhass

14:00 – 15:30 2. Block: Das Unbewußte
Dr. Markus Brunner (Sigmund Freud PrivatUniversität Wien): Übersetzungen. Zu Freuds Schrift ‚Das Unbewusste‘
Prof. Dr. Hans-Dieter König (Goethe Universität Frankfurt/Ruhr Universität Bochum): Die Doppelbödigkeit politischer Inszenierungen. Das Unbewusste in der Sozialpsychologie

16:00 – 17:30 3. Block: Trauer und Melancholie
Dr. Jan Lohl (Goethe Universität Frankfurt): „Dem Psychologen aber ist die Trauer ein großes Rätsel.“ Überlegungen zu Freuds Theorien der Trauer und ihrem gesellschaftlichen Kontext
Dr. Sebastian Winter (Universität Bielefeld): Trauer und Melancholie in der Geschlechtertheorie Judith Butlers

17:30 – 19:30 Abschlussdiskussion

Ab 20 Uhr Barabend im Café KoZ

Tagungsort: Studierendenhaus Campus Bockenheim (Goethe-Universität), Mertonstraße 26, 60325 Frankfurt am Main – Raum Festsaal, 1. OG

Die weiteren Tourdaten:

11. Januar 2016 an der Humboldt Universität, Berlin.
29. Januar 2016 an der Leibniz Universität, Hannover.
20. Februar 2016 an der Sigmund Freud Universität, Wien.

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