Jour fixe im September
4.09.201311. September 2013, 18 Uhr
Im Moore 21, Raum A210
Sebastian Winter (Hannover/Bielefeld):
Geschlecher- und Sexualitätsentwürfe in der SS-Zeitung Das schwarze Korps
In den nationalsozialistischen Entwürfen von Geschlecht und Sexualität wurde die bürgerliche Geschlechter-Komplementarität abgelöst durch eine geschlechterübergreifende „Kameradschaft“, in der die Sexualität nicht individueller Lust, sondern dem „Volk“ diente. Dem gegenüber standen antisemitische Feindbilder von Prüderie, Lüsternheit und Homosexualität.
Diese Selbst- und Feindbilder stellten ein Sinnstiftungsangebot und ein „Heils“-Versprechen dar, deren affektive Attraktivität sich aus ihrer Funktionalisierbarkeit zur Verleugnung basaler Konflikte der Geschlechtsidentitätsgenese erklärt. Dieser Zusammenhang wurde in der psychoanalytisch-sozialpsychologischen Antisemitismusforschung oft benannt, aber bislang meist androzentrisch und sozialcharakterologisch verkürzt dargestellt.
Sebastian Winter hat in seiner Dissertation diese Thematik anhand der SS-Zeitung Das Schwarze Korps untersucht und dabei einen diskursanalytischen Ansatz mit einer psychoanalytisch-sozialpsychologischen Interpretation verknüpft.
Sebastian Winter studierte Sozialpsychologie, Soziologie und Geschichte an der Leibniz Universität Hannover und lehrt derzeit als LfbA an der Universität Bielefeld im Arbeitsbereich „Gender“.