Jour fixe im November

25.10.2014

Mittwoch, 19. November, 18.15 Uhr
Im Moore 21, Raum A210

Nico Bobka (Frankfurt a.M.):
Kritische Theorie des Antiziganismus

Der Antiziganismus weist archaische Züge auf, die ihre Ursache in einem sehr frühen Stadium der Geschichte haben. Das Aufgeben des Nomadentums, die damit zusammenfallende Arbeit und aller damit verbundene Triebverzicht waren eines der schwersten geschichtlichen Opfer der Menschheit. Das Bild der „Zigeuner“ repräsentiert das eines Zustands, der die Arbeit nicht gekannt hat; „Zigeuner“ gelten als diejenigen, die den schmerzlichen Prozess der Zivilisation nur unzureichend vollzogen haben. Dementsprechend gilt der Begriff des „Zigeuners“ kritischer Theorie als Einstiegspunkt für eine zu reflektierende Urgeschichte des Antiziganismus wie der Zivilisation überhaupt. Der „Zigeuner“ wird zu bestimmen sein als Produkt des Zivilisationsprozesses, das sich im Unbewussten der Subjekte niedergeschlagen hat, und als Deckname für projizierte Selbstanteile der AntiziganistInnen. Und der Antiziganismus wäre dementsprechend der Versuch, am Objekt der Projektion die eigenen zivilisatorischen Zurichtungen nachzuahmen und zu vollenden.

Nico Bobka studiert, nach einem BA-Abschluss in Soziologie in Berlin, aktuell Politische Theorie in Frankfurt am Main.

Der Jour fixe ist eine Kooperationsveranstaltung mit der Hochschule Hannover, an der am Tag davor eine kleine Tagung zum Thema ‚Antiziganistische Zustände: Gegenstrategien‘ stattfindet.

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