Jour fixe im Januar

9.01.2015

14. Januar 2015, 18:15 Uhr
Im Moore 21, Raum A210

Ute Grundmann (Berlin):
Antisemitismus, Holocaust und der „Generationenvertrag“.
Die transgenerationelle Weitergabe von Denk- und Ge-fühlsmustern vom Nationalsozialismus bis in die DDR

Ohne Zweifel sind Mechanismen der Verleugnung und Verdrängung des Holocaust in der deutschen Gesellschaft auch heute noch wirksam. Wo jedoch in Westdeutschland vor allem nach 1968 eine verzögerte und immer wieder behinderte öffentliche Auseinandersetzung stattgefunden hat, so ist für die Behandlung der Shoa in Ostdeutschland bis 1989 eine anhaltende gesellschaftliche Verleugnung der Dimensionen dieser Vernichtung kennzeichnend. Indem der Antifaschismus als Ursprungsmythos und Legitimationsinstanz der DDR etabliert worden war, konnte jede individuelle Verantwortung für die Vernichtung der Juden im Nationalsozialismus auf den Westen Deutschlands projiziert werden. Diese unterschiedliche Integration der Shoa in das kollektive Gedächtnis mag ein Grund dafür sein, dass vor allem die affektiven Verstehenszugänge zwischen Ost und West bis heute oft blockiert bleiben.
Der Vortrag macht die psychische Dynamik der Entstehung, Struktur und Erscheinung einer transgenerationalen „Gefühlserbschaft“ und ihrer Folgen am Beispiel der eigenen Familie zum Thema und versucht die Geschichte der „Vergangenheitsbewältigung“ in Ost und West als gemeinsame Geschichte zu begreifen.

Uta Grundmann ist Kunsthistorikerin. Sie beendet derzeit ihr Studium der Psychologie an der International Psychoanalytic University Berlin und arbeitet seit 2013 in der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz dieser Universität.

Mit freundlicher Unterstützung des AStA Hannover.

Plakat zum Jour fixe

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