Jour fixe im Februar

29.01.2015

Do, 12.02.2015 | 20:00
Im Moore 21 | Raum A210

Achtung: Veränderte Uhrzeit beachten!

Esin Erman und Carsten Ilius (Berlin):
Von gemeinsamen Bonbondosen, jüngsten Gerichten und vermeintlicher Nüchternheit
Der NSU-Prozess als Chance zur Aufarbeitung des strukturellen Rassismus in Deutschland

Im NSU-Prozess, der seit 2013 vor dem Münchner Oberlandesgericht stattfindet, wird gegenwärtig die Tatbeteiligung Beate Zschäpes und vier vermutlicher Unterstützer der Mord-, Bombenattentate- und Bankraubserie dieser neonazistischen Terrorgruppe verhandelt. Jenseits der Schuldfrage der fünf Angeklagten bemüht sich die Nebenklage, Fragen nach möglichen weiteren Tatbeteiligten, einem bundesweiten NSU-Netzwerk, der Rolle von V-Personen und des Einflusses von strukturellem Rassismus auf die Ermittlungen der Sicherheitsbehörden zu thematisieren. Vonseiten der Staatsanwaltschaft und des vorsitzenden Richters ist diese „Erweiterung“ des Blicks im Münchner Prozess aber nicht erwünscht – so verweigerte etwa die Staatsanwaltschaft mit dem Hinweis, dass es sich hier nicht um „das jüngste Gericht“ handele, Fragen nach ideologischen Hintergründen der NSU-UnterstützerInnen. Wiederholen sich im NSU-Prozess dieselben Ausschließungs- und Vergemeinschaftsprozesse, die schon die Ermittlungsarbeit und die Presseberichterstattung über die so genannten „Dönermorde“ geleitet haben?

Esin Erman ist Psychotherapeutin in Berlin, arbeitet in eigener Praxis mit Opfern und Angehörigen von Opfern rassistischer Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen und zum Thema Ausgrenzung, Rassismus und Psychotherapie.
Carsten Ilius ist Rechtsanwalt in Berlin und Nebenklagevertreter im Münchner NSU-Prozess für Elif Kubasik, deren Mann Mehmet 2006 in Dortmund vom NSU ermordet wurde.

Plakat zum Jour fixe

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