Jour Fixe im Februar

19.12.2012 Mi,08.02.2012, 18 Uhr c.t. Im Moore 21, Vorderhaus, Raum A210 Melanie Babenhauserheide (Universität Bielefeld): Dudleys Luftgewehr und Harrys „Nimbus 2000“ Ideologiekritische Überlegungen zur zauberhaften Warenwelt in Rowlings Harry Potter-Reihe „Die Empfindung, daß die eigenen Neigungen nicht voll erwidert werden, macht sich […] in der aus frühen Kinderjahren oft bewußt erinnerten Idee Luft, man sei ein Stiefkind oder ein angenommenes Kind.“ (Freud) Bis Harry Potter erfährt, dass seine Eltern berühmte und begabte Magier waren und er selber eigentlich in dieser zauberhaften Parallelwelt zuhau-se ist, lebt er als Findelkind bei seiner Tante Petunia, seinem Onkel Ver-non und seinem Cousin Dudley Dursley. Dudley ist eine Figur, deren Ab-kunft vom Neid in jeder Zeile über den verfressenen Rabauken zu lesen ist. Sein Umgang mit seinen Besitztümern, die er nicht zu schätzen weiß, meistens entweder zerstört oder tauscht, reflektiert eine gesellschaftliche Realität: den Verfall des Gebrauchswerts. Doch was die Kritische Theorie als gesamtgesellschaftliche Tendenz a-nalysiert, wird in der Harry Potter-Reihe personalisiert: Es ist eine Cha-rakterschwäche der Dursleys. Der bescheidene Harry, der die Dinge noch zu schätzen und zu nutzen weiß, ist allerdings nur scheinbar ein Gegenbild; vielmehr legitimiert er diese Verhältnisse über den Neid. In der für einen kurzen Augenblick nach blanker Wunscherfüllung duften-den Zauberwelt gibt es weiterhin unhinterfragt Geld, Waren, Armut. Die Sehnsucht nach einer besseren Welt und dem Ausbrechen aus dem spießigen Kleinbürgertum, die (kindlichen) Wünsche nach Befreiung aus der familiären Ohnmacht und die Phantasie, dass die Dinge einen ande-ren Sinn haben könnten als ihre instrumentelle Bestimmung ihnen zu-kommen lässt, werden weitgehend überführt in eine Verabsolutierung der Warenform. Plakat zum Jour Fixe

Du kannst einen Kommentar schreiben.

Hinterlasse eine Antwort