Warum Hass?

24.04.2013 In Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie und dem Institut für Soziologie an der Leibniz Universität Hannover bietet die Ada und Theodor-Lessing Volkshochschule Hannover im Frühjahrssemester 2013 eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Warum Hass? Sozialpsychologische Perspektiven“ an (Hier geht es zum Flyer). 24. April 18:30 – 20:30 Uhr Zur Sozialpsychologie des Rassismus. Eine Einführung Referent: Prof. Dr. Rolf Pohl Gemeinsames Merkmal aller unterschiedlichen Formen des „Rassismus“ ist eine Störung der sozialen Wahrnehmung, die es scheinbar mühelos erlaubt, die als feindlich konstruierte und deswegen gehasste Fremdgruppe unter Bezug auf ihre angeblichen „Wesensmerkmale“ zu diskriminieren, auszugrenzen und zu verfolgen. Der Vortrag wird den damit verbundenen Fragen aus einer sozialpsychologischen Perspektive nachgehen, wobei insbesondere die Projektion und ihre psychosoziale Bedeutung als Mittel der Abwehr persönlicher und sozialer Ängste im Mittelpunkt stehen werden. 22. Mai 18:30 – 20:30 Uhr Antiziganismus. Ein Ressentiment zwischen Angst, Verachtung und Neid Referent: Dr. des. Sebastian Winter Im Antiziganismus überschneiden sich staatliche Flüchtlings- und Minderheitenpolitiken mit populären Ressentiments: Massenabschiebungen aus Deutschland und Frankreich, pogromartige Ausschreitungen in Ungarn, Slowenien, Bulgarien und Italien, alltägliche Diskriminierungen – die Kontinuität der Ausgrenzung wurde auch nach der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik gegen die „Zigeuner“ kaum gebrochen. Gleichzeitig mit ihrer Stigmatisierung als „arbeitsscheu“ und „asozial“ besteht aber auch eine Romantisierung des sogenannten „Zigeunerleben“. Neben einem Rückblick auf die Geschichte des Antiziganismus steht im Mittelpunkt des Vortrags daher das schillernde Feind- und Sehnsuchtsbild von dem „Zigeuner“ und der „Zigeunerin“, das sozialpsychologisch auf die ihm unterliegenden Affekte von Angst, Verachtung und Neid hin befragt werden soll. 26. Juni 18:30 – 20:30 Uhr Alltagsantisemitismus unter Jugendlichen Referent: Prof. Dr. Wolfram Stender Alltagsantisemitismus macht auch vor Schulen und Einrichtungen der Jugendarbeit nicht halt. Ganz im Gegenteil: Aktuelle Studien zeigen, dass Alltagsantisemitismus bei vielen Jugendlichen zu erwarten ist, wenn auch kontextuell, gruppen- und geschlechtsspezifisch variierend. Häufig aber – auch dies zeigen die Forschungsbefunde – sind Pädagog_innen nicht in der Lage, die aktuellen Formen des Antisemitismus zu erkennen, geschweige denn angemessen auf sie zu reagieren. Stattdessen überwiegt ein angstbesetzter Anti-Antisemitismus, der zwischen Bagatellisierung und Dramatisierung hilflos hin und her schwankt. 10. Juli 18:30 – 20:30 Uhr „Nicht die Natur schuf die bösartigen Ungeheuer“. Haarmann, Lessing und Hannover Referent: Prof. Dr. Rolf Pohl Im Mittelpunkt des Vortrags wird die Haarmann-Studie des hannoverschen Philosophen, Mediziners, politischen Publizisten und Wegbereiters der modernen Erwachsenenbildung Theodor Lessing stehen. Sie liefert nicht nur wichtige Anhaltspunkte für eine auch aktuell spannende psychologische Analyse eines Sexualverbrechers. Lessings Schlussfolgerung, der „Triebkannibale“ sei nicht zuletzt ein Opfer sozialer Missstände, hat neben seiner scharfen Justizkritik zu seinem Ausschluss aus dem Prozess geführt. Dies war der Beginn einer politischen Hetzkampagne, die schließlich 1933 in seiner Ermordung als „jüdischer Vaterlandsverräter“ durch Angehörige der SA einmündete.

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