Jour fixe im November

19.12.2012 22. November 2012, 19 Uhr Schneiderberg 50, Raum A410/41 Lars Rensmann (Rom): Gruppenbild und Ressentiment. Zur politischen Psychologie des Antisemitismus in der Gegenwart Die Debatte um die Beschneidung und körperliche Unversehrtheit von jüdischen und muslimischen Kindern; Günter Grass’ Gedicht “Was gesagt werden muss”; die Diskussion um den akademischen und kulturellen Boykott des jüdischen Staates Israels – allein in drei signifikanten öffentlichen Kontroversen der letzten Wochen und Monate reüssierte direkt oder indirekt der Topos und Horizont des Antisemitismus. Es ist, scheinbar paradoxerweise, zugleich indes eine der gängigsten Tropen des öffentlichen Diskurses, dass Antisemitismus heute vornehmlich ein Phänomen der Vergangenheit darstelle, von einzig historischer Relevanz (mithin deshalb nur eine illegitime, instrumentalisierte Konstruktion und Zuschreibung), oder aber scharf umgrenzt und lokalisierbar am Rand oder außerhalb der Gesellschaft. Der Vortrag geht der These vom „Verschwinden des Antisemitismus“ nach und diskutiert sowohl anhand von kritisch-theoretischen Grundlagen als auch von empirischen Befunden Möglichkeiten und Perspektiven einer politisch-psychologischen Forschung zum Antisemitismus heute. Dabei werden die aktuellen Kontroversen selbst zum Gegenstand als auch sozialwissenschaftliche Erhebungen im europäischen Kontext herangezogen. Lars Rensmann ist Associate Professor of Political Science am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der John Cabot University in Rom und Permanent Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum für Europäisch-Jüdische Studien an der Universität Potsdam. 2006-2012 DAAD Professor an der University of Michigan in Ann Arbor; zudem internationale Lehr- und Forschungstätigkeiten an der Yale University, der University of California in Berkeley, an der Humboldt Universität zu Berlin, der FU Berlin, der Universität Wien und dem Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien sowie der Universität von Haifa. Eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie in Kooperation mit der Amadeu Antonio Stiftung und dem Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus.

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