Jour fixe im Juli

5.07.2011 Mi,13.07.2011, 18 Uhr c.t. Im Moore 21, Vorderhaus, Raum A210 Eva-Maria Ziege (Cambridge/Berlin): Adorno und The Authoritarian Personality Mit zwei Publikationen − Dialektik der Aufklärung (1944/47) und The Authoritarian Personality (1950) − wurde das Institut für Sozialforschung als Frankfurter Schule weltberühmt. Trotz vieler Unterschiede innerhalb seines inneren Kreises war diesem die Orientierung an der Kritik der politischen Ökonomie von Marx gemeinsam; hier kann man von einer verschwiegenen Orthodoxie sprechen. „Kritische Theorie“ wurde zu einem den Marxismus verdeckenden Euphemismus für Gesellschaftswissenschaft, die die Gesellschaft verändern will. Alle Angehörigen dieses Arbeitszusammenhangs waren zudem mehr oder weniger von Freuds Psychoanalyse beeinflusst, mit der sie den Begriff des Unbewußten in die Analyse von Individuum und Gesellschaft einführten und mit dem Begriff der Libido die Sexualität als Motor dynamischer Prozesse von der Individualpsychologie in die Gesellschaftsanalyse transferierten. Den sogenannten „Sozial“- oder „Gesellschaftscharakter“ des Individuums begriff man als Ausdruck seiner Klassenlage, die jeweilige Ausbildung der Libido als Kitt der Gesellschaft, die die gesellschaftlichen Antagonismen überbrückte. Dieser Konsens und die institutionellen Kontinuitäten mit Max Horkheimer als dem Direktor und Theodor W. Adorno als prominentem Exponenten des Instituts nach der Remigration 1950 verstellt den Blick auf Diskontinuitäten im Kreis der Mitarbeiter von den späten 20er bis in die 60er Jahre. Diese Diskontinuitäten aber sind ein Schlüssel zu komplexen Veränderungen in der auf Freud beruhenden Gesellschaftsanalyse; am wichtigsten hierfür war die Ablösung von Erich Fromm durch Adorno Ende der 30er Jahre. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, welche Konsequenzen dies für den gesellschaftstheoretischen Kern der Kritischen Theorie und die Antisemitismustheorie des Instituts hatte. Plakat zum Jour fixe

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